Futtertiere züchten. Heute: Heuschrecken

Meine Warane (V. storri) sind verwöhnt: Sie fressen nahezu ausschließlich Heuschrecken. Das ist in Ordnung, da Heuschrecken durchaus als Alleinfuttermittel genutzt werden können und eine gute Nährwertbilanz aufweisen. Zudem ist es sehr gut möglich, die Heuschrecken durch eine gute Ernährung aufzuwerten und somit weniger abhängig von Vitaminpräparaten zu sein.

Einen Nachteil haben die Heuschrecken jedoch: Der Zoohandel des Ortes führt sie selten und somit musste ich diese in der Vergangenheit über ein Futter-Abonnement eines Online-Händlers liefern lassen.

Dies ist nicht nur schade, da ich versuche, unnötige Lieferungen, die quer durch die Republik gehen, zu vermeiden, sondern auch den Futtertieren im Winter nicht immer zuträglich.

Bisher war die Qualität der Lieferungen zwar meist ausreichend bis gut, allerdings hat der Winter in diesem Jahr noch keine Schockstarre ausgelöst. Tagsüber hatten wir in Göttingen und Umgebung selten mit Temperaturen nahe des Gefrierpunktes zu tun. Was allerdings geschieht, sobald die Futtertiere stundenlang bei -8°C ausharren müssen, kann sich jeder selbst ausmalen.

Die Zucht von Heuschrecken

Die Entscheidung fiel also recht schnell: Die Heuschrecken sollten selbst herangezüchtet werden. Ideal wäre ein möglichst stabiler Kreislauf bei möglichst wenig Aufwand.

Nun sind Heuschrecken vor allem sehr wärmeliebende Tiere; die Haltung ohne besondere Beleuchtung/Zuführung von Wärme funktioniert zwar über eine gewisse Zeitspanne hinweg, allerdings stellte ich in bisherig genutzten Faunaboxen stets fest, dass die Tiere, die an einer Fensterbank standen, das einfallende Sonnenlicht suchten. Sie suchten es nicht nur, sie versuchten alles, um sich vom Sonnenlicht bescheinen zu lassen, sodass zeitweise zig Tiere übereinander gedrängt in der von der Sonne beschienenen Zone saßen.

Zudem sind Heuschrecken unglaublich gute Esser. Sie schaffen es problemlos, große Mengen Blätter und Gräser, aber auch trockeneres Futter wie Haferflocken zu vernichten. Der Ausstoß an Kot ist dementsprechend hoch.

Anforderungen

Das neue Zuchtbehältnis musste demnach folgende Ansprüche erfüllen:

  • Es musste groß genug sein, um eine im Zweifel anwachsende Population aufzunehmen.
  • Es musste die Möglichkeit erhalten, künstlich beleuchtet/beheizt zu werden.
  • Es sollte dennoch gut belüfter sein und die Möglichkeit erhalten, das natürliche Sonnenlicht einfallen zu lassen.
  • Es muss ausbruchssicher sein.
  • Der Zugriff in den Behälter sollte so einfach wie möglich sein, um den Futtertausch und das Entfernen von Futterresten zu ermöglichen.
  • Der anfallende Kot sollte sich keinesfalls am Boden sammeln; so ist ein durchlässiger Boden zwingend erforderlich.
  • Die zu bewohnende Fläche sollte das Verhalten der Tiere nicht über Gebühr einschränken. Flache Faunaboxen mit glatten Wänden ermöglichen es den Tieren nicht an höheren Gräsern zu hängen. Das neue Behältnis sollte also hoch genug sein, Äste auch aufrecht einzubringen. Zusätzlich sollte die nutzbare Fläche durch Klettermöglichkeiten an den Wänden maximiert werden.

Der Einfall

Zunächst habe ich überlegt, ob ich einen entsprechenden Zuchtbehälter mit Hilfe alter Konstruktionshölzer und meiner Kreissäge einfach selbst bastle. Allerdings traf es sich, dass ein alter Servierwagen ausgemistet werden sollte - warum diesen nicht einfach umbauen?

Werkzeugliste

Werkzeug muss man haben.

Ich benötigte:

Materialliste

Zusätzlich zum Servierwagen habe ich benötigt:

Erste Schritte

Die Tiere benötigen eine schadstofffreie, warme und trockene Umgebung mit möglichst großem Volumen. Um dies zu gewährleisten entfernte ich im ersten Schritt alle Zwischenböden des alten Servierwagens. Die mittlere Trennwand ließ ich bestehen, da ich für mein Endresultat zwei verschiedene Kammern benötigte.

Das Entfernen der Zwischenböden gestaltete sich mitunter als schwierig, da diese sehr stabil eingebracht waren. Sie waren nicht nur verschraubt, sondern zudem verleimt, sodass ich mit einem Multifunktionswerkzeug, welches einen Sägeaufsatz besaß, mit welchem ich bündig zur Wand sägen konnte, vorgehen musste. Dies ist natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich - je nachdem, wie eure Voraussetzungen sind, entfällt dieser Arbeitsschritt unter Umständen.

Anschließend bereitete ich den Innenraum auf: Der Servierwagen, der sich seit einiger Zeit in meinem Besitz befand, gehörte früher einem starken Raucher - und so roch er auch von innen.

Da Nikotin nicht unbedingt zu den Stoffen gehört, den ich meinen Futtertieren zuführen wollte, mussten diese Rückstände dringend entfernt werden.

Zigarettenrauch jedoch ist furchtbar schwierig zu entfernen - ich nahm somit einen Schwingschleifer zur Hand und entfernte kurzerhand einen nicht unerheblichen Teil der inneren Holz- und Lackschicht.

Zusätzlich nutzte ich die Stichsäge, um in den Mittelteil, sowie in zwei Außenwände Öffnungen einzusägen, die für eine maximale Luftzirkulation sorgen sollten.

Auf der Rückseite wurden mittels Lochsäge mehrere Löcher (7cm Durchmesser) gebohrt, welche im oberen Teil einen Hitzestau verhindern sollten.

Anschließend saugte ich das Innenleben aus, da sich Holzstaub an den Seitenwänden abgelagert hatte. Nach dem Aussaugen grundierte ich das nun saubere Innenleben. Wichtig hierbei: Ich bin ein Verfechter diffusionsoffener Bauweisen. Es gibt Grundierungen, die eine Sperrschicht bilden und somit hochwasserabweisend sind. Ob ihr die Zuchtbox letztendlich grundieren und von innen behandeln möchtet, bleibt euch natürlich überlassen.

Im weiteren Schritt trug ich einen Kalkrollputz auf. Dieser wird sehr strapazierfähig und ist ebenfalls diffusionsoffen - die Wand "atmet", wenn man so will. Für Feuchtterrarien ist dies nicht geeignet, für trockene Umgebungen stellt der wenige Millimeter dicke Rollputz aber eine strapazierfähige Oberfläche dar, die zudem aufgrund der Zusammensetzung des Putzes auf ganz natürliche Weise gegen Schimmel wirkt.

Wichtig: Achtet darauf, dass ihr einen möglichst natürlichen Kalkputz bekommt. Diese gibt es gebrauchsfertig und auch in Form eines Pulvers, das ihr dann jedoch selbst anmischen müsst. Wichtig ist, dass keine giftigen Zuschläge enthalten sind. Diverse Hersteller mengen beispielsweise Zement bei. Dieser ist nun nicht zwingend giftig und erhöht die Belastbarkeit des Putzes, aber die Oberfläche ist dann unter Umständen nicht mehr diffusionsoffen.

Von Anti-Schimmel-Lösungen, die mit Fungiziden arbeiten, rate ich ab; diese sind hier auch de facto nicht notwendig. Heuschrecken lieben Wärme und Licht - die Zuchtbox wird demnach ohnehin gut beheizt werden. Die Belüftung sorgt für einen guten Luftaustausch, sodass Schimmel durch das Einbringen von feuchtem Sand (dazu später mehr), sowie dem Futter nicht zu erwarten ist. Sollte doch einmal eine zu hohe Luftfeuchtigkeit auftreten, so reguliert der Kalkputz die Luftfeuchtigkeit ohnehin ein wenig und weist schimmelhemmende Eigenschaften auf.

Montage der Gitter

Die Montage der Gitter sollte gut durchdacht sein. Drahtgeflechte sind in der Regel gut biegbar und können mit einer Draht- oder Blechschere gut geschnitten werden.

Man kann dieses Material auch mit einer normalen, etwas kräftigeren Haushaltsschere schneiden, diese könnte aber durchaus etwas stumpf werden.

Trotz der leichten Verarbeitung empfehle ich die Verwendung von (nicht zu dicken) Arbeitshandschuhen, da die Gitter doch ab und zu an den Schnittkanten sehr spitz und scharfkantig sein können.

Zunächst habe ich mir klar gemacht, was das eigentliche Ziel sein sollte: Der Servierwagen sollte in zwei Teile aufgeteilt werden. Ein Teil sollte für die adulten Tiere genutzt werden; der andere Teil für den Nachwuchs.

Die adulten Heuschrecken sollten in einem Käfig von grobem Gewebe eingeschlossen sein. Das Gitter selbst sollte in der innen liegenden Schicht grob sein, damit die Heuschrecken hier gut klettern können.

Die außen liegende Schicht sollte mit feinem Gitter bespannt werden, um Ausbruchsversuche zu erschweren. Am Boden verwendete ich ausschließlich grobes Gitter, damit der Kot der Tiere herunter fallen konnte, ohne vom feinen Gitter aufgehalten zu werden.

Auf der Vorderseite sollte das Gitter idealerweise zu öffnen sein, um in das Behältnis eingreifen zu können.

Da der Servierwagen sich auch von oben öffnen lässt wollte ich den Deckel zwar ebenfalls mit Drahtgewebe ausgekleidet, diesen jedoch nicht fest vertackern. Sollten größere Arbeiten notwendig werden, so sollte ich den oberen Teil entfernen können und erhalte so eine bequeme Zugriffsmöglichkeit.

Ebenfalls wichtig: Trotz der herausgelösten Zwischenböden existierten diverse Bauteile, die das Innenleben des Servierwagens nicht perfekt glatt machten: So ragte ein massiver Holzvorsprung in das Innere hinein, welcher die schwere vordere Tür, die sich nicht schwenken, sondern kippen lässt, hält. Somit war klar, dass das Drahtgewebe etwas versetzt nach innen befestigt werden musste, damit der Kot der Tiere nicht von oben auf die entsprechenden Vorsprünge fallen würde.

Die Tür

Nach der Montage der Gitter sollte das Drahtgewebe über 4/5 der Gesamthöhe eingeschnitten werden; dies sollte einem Reißverschluss dienen, welcher im Falle einer "Massenpanik" der Heuschrecken ein massenhaftes Entweichen verhindern sollte.

Der Reißverschluss kann mit einfachen Nieten befestigt werden. Man könnte ihn jedoch bestimmt auch einfach einnähen oder kleben.

Innenausstattung

Im Inneren sollen Plastikflaschen eingebracht werden, welche mit Wasser befüllt werden sollen. Hier können kleinere Zweige mit Blättern eingestellt werden. Die Plastikflaschen besitzen einen engen Ausguss, was dazu führt, dass der Kot der Tiere weniger stark in das Wasser fällt. Zudem sind die Flaschen leicht zu reinigen.

Natürlich könnt ihr auch einfache (kleine) Trinkflaschen verwenden. Mir gefällt hierbei schlicht das dünne Plastik nicht besonders gut.

Zudem bastele ich aus Holzresten ein kleines Dach, welches ich in das Drahtgitter der Rückwand einhängen werde. Dieses Dach soll die Ei-Ablagebox vor Verschmutzung schützen, denn - wie ich schon erwähnte - die Heuschrecken fressen unglaubliche Mengen an pflanzlichem Material und setzen daher entsprechende Mengen an Kot ab.

Die Bodenplatte

Aus alten Holzresten soll zudem eine Bodenplatte zurechtgeschnitten werden, die unter dem Servierwagen eingeschoben werden kann. Hier wird der Kot, der durch das untere Gitter fällt, aufgefangen.

Die C-Profile aus Aluminium sind hierbei einfache Schienen, welche mit Trockenbauschrauben eingeschraubt werden können. Hierfür werdet ihr sicherlich einen Akkuschrauber benötigen - per Hand wird das unter Umständen sehr anstrengend.

Fazit

Die Zuchtbox steht - der Servierwagen wurde erfolgreich umgebaut.

Doch beim nächsten Versuch würde ich einige Dinge anders machen. Ich würde zwar weiter für eine gute Belüftung sorgen, jedoch die Seitenwand mit Acrylglas ausstatten: Die Lampe heizt gut, aber dennoch geht viel Wärme durch die Seitenwände verloren.

Auch würde ich zusätzliche Klappen einbauen: Der Zugang zu den hinteren Flaschen ist mitunter schwierig.

Wichtig wäre beim nächsten mal auch, die Öffnung durch eine Acrylglas-Tür zu realisieren. Der Zugriff durch das Gitter mit dem Reißverschluss funktioniert gut, aber das Gitter ist mitunter etwas steif.

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