Das Sorgenkind

Meine Gruppe der australischen Zwergwarane (V. storri) geht es gut. Die drei Tiere sind friedlich, fressen und faulenzen.

Doch auch die aktieren Phasen sind faszinierend. Besonders gut zu beobachten: Das Grabverhalten im grabfähigen Sand, sowie das Verhalten bei Fütterungen. Hier wird deutlich: Alles, was in das Maul der Tiere passt, wird erlegt.

Die absolute Leibspeise: Wanderheuschrecken.

Die Tiere kommen von einem befreundeten Züchter, der seine Berufung lebt und verschiedenste langfristig erfolgreiche Nachzuchten betreibt.

Kürzlich zeigte er sich erstaunt über die Größe der Tiere, die ich im letzten Jahr von ihm erhalten habe. Er fragte mich daraufhin, wie das Fressverhalten der Tiere sei und wie die Nahrung zusammengesetzt wäre.

Der Pflegling

Nachdem wir ein wenig über die Zucht von Heuschrecken und anderen Futtertieren gesprochen haben, kam er mit einem Sonderfall auf mich zu: Ein äußerlich zwar gesunder V. storri - doch klein und weniger entwickelt als andere Tiere aus dem gleichen Schlupf.

Schnell kam der Gedanke auf, ob ich das Tier nicht aufpäppeln wolle.

Ich sagte rasch zu und holte das Tier ab. Bereits am ersten Abend zeigte sich, dass der kleine Waran den Transport und die Umstellung nicht gut vertragen hatte. Ein provisorisches Quarantäne-Becken war schnell eingerichtet und dennoch verkroch sich der Waran nicht, sondern harrte in Seitenlage aus. Eine Aufnahme von Wasser oder kleineren Futtertieren wurde verweigert.

Bereits am ersten Abend war ich mit dem Gedanken konfrontiert, dass der kleine es vielleicht nicht schaffen würde.

Besserung in Sicht?

Nachdem das Quarantäne-Terrarium an den schönen Wintertagen zu einem Drittel - zusätzlich zum Kunstlicht - in die in das Zimmer einfallende Sonne gestellt wurde (Achtung: Hierbei muss die Temperatur im Terrarium ständig kontrolliert werden. Häufig kommt es zu einem Hitzestau und auch die kühleren Bereiche im Terrarium werden zu warm. Hier ist eine dauerhafte Beobachtung der Temperatur Pflicht!) regte sich Leben. Der Waran begann, sich im natürlichen Sonnenlicht zu sonnen und wurde langsam lebhafter. Zunächst wurde das Quarantäneterrarium inspiziert. Ein im Backofen behandelter Blumentopf, der umgedreht im Terrarium lag, wurde schnell als dunkler Rückzugsort erkannt und die lehmhaltige, grobe Erde wurde durchpflügt.

Soweit - so gut. Doch Futter wurde weiterhin nicht angenommen. Der Waran wollte einfach nicht fressen. Ob Mehlwürmer, Wachsmottenraupen, Heimchen oder sogar kleine Teile eines Hühnerherzens - der Waran war nicht zum Fressen zu überreden.

Die Wandlung

Nach weiteren zwei Tagen begann ich unruhig zu werden. Immerhin begann der Waran mittlerweile, Wasser aufzunehmen.

Doch es geschah etwas Unerwartetes: Als die größere Warangruppe fütterte und zu diesem Zwecke adulte Wanderheuschrecken in das Waran-Terrarium warf, musste ich eine Heuschrecke, die bei der Fütterung übrig geblieben war, abschreiben. Die Heuschrecke lebte noch, war von einem der Warane jedoch schwer verletzt worden, bevor dieser merkte, dass er eigentlich gar keinen Hunger mehr verspürt.

Ein solches Tier wird in der Regel von mir getötet, da auch ein Futtertier meiner Auffassung nach nicht langsam sterben sollte. Man kann nun argumentieren, dass das Schmerzempfinden bei Insekten nicht ausgeprägt sei, doch ich halte es für wenig sinnvoll, ein so schwer verletztes Tier (eingerissenes Abdomen) zurück in die Zuchtgruppe zu geben, da es ohnehin in Kürze sterben wird.

Nun hatte ich die verletzte Heuschrecke - immerhin ein adultes Tier - aus dem Waranterrarium genommen und stand kurz davor, es zu erlösen, als mir der Gedanke kam, es doch einfach versuchsweise in das Quarantäneterrarium zu halten. Der kleine Waran nahm sofort "Witterung" auf - sichtbar durch intensives Züngeln - und biss in den Abdomen. Dabei riss er das ohnehin eingerissene Abdomen ab und mühte sich mit dem immernoch scheinbar viel zu großen Abdomen. Und auch hier bewahrheitete sich: Was immer physikalisch in das Maul eines Warans passt kann - Appetit vorausgesetzt - gefressen werden.

Nachdem das Tier gute fünf Minuten mit dem Fressen beschäftigt war, war das Werk getan. Der Waran setzte später seinen Kot unauffällig ab.

Seitdem erhält der kleine Futtertiere, die ich für zu groß gehalten habe. Das Füttern mit subadulten Heuschrecken ist nun ein festes Ritual - die Nahrung wird regelmäßig aufgenommen und das Tier legt zu. Auch das künstliche Licht scheint ausreichend, da das Tier eine angemessene Aktivität an den Tag legt.

Nach dem Auszug aus dem ersten Quarantäne-Terrarium wird der kleine Waran allerdings eine etwas intensivere Beleuchtung erfahren - dann jedoch in einem Vollholz-Terrarium, über welches ich noch berichten werden.

Ein Weiterer positiver Aspekt: Die grundsätzlich eher ungesunden Mehlwürmer und Wachsmotten werden nicht als dauerhaftes Futtermittel angeboten - somit findet keine Gewöhnung und spätere Ablehnung anderer Futtermittel statt.

Ich bin froh.

Übrigens: Fotos meiner Warane folgen in der kommenden Woche.

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